Das Fundament des Problems: Der demografische Wandel
Deutschland verzeichnet seit Jahren Geburtenrückgänge bei gleichzeitig steigender Lebenserwartung. 2024 waren ca. 14,5% der Bevölkerung ab 65 Jahre und im Durchschnitt jede zweite Person älter als 45 Jahre. Folglich wächst der Anteil älterer Menschen am Erwerbsleben, was nicht nur großen Einfluss auf den generellen Fachkräftemangel, sondern vor allem auch Auswirkung auf die Nachfolgeregelungen innerhalb von Familienunternehmen hat.
Laut aktuellen Studien stehen allein in Deutschland rund 38.000 Familienunternehmen jährlich vor dem Generationenwechsel und über 70% der Inhaber sind über 55 Jahre – viele davon haben noch kein klar definiertes Nachfolgekonzept.
Die Kernherausforderungen für Familienunternehmen
- Unterschiedliche Generationen und ihre Wertevorstellungen
Die zusammenarbeitenden Generationen haben oft unterschiedliche Wertevorstellungen. Oft legt die ältere Generation den Fokus auf Stabilität, (Arbeitsplatz-) Sicherheit und Traditionen, der jüngeren geht es hingegen eher um Themen wie mobiles Arbeiten, Flexibilität, Work-Life-Balance und das „Warum“ – die Frage nach dem Sinn dahinter.
- Interesse und Qualifikationen
Aufgrund unterschiedlicher Interessen finden die Bildungs- und Berufswege der Kinder häufig außerhalb des elterlichen Unternehmens statt. Das kann den Einstieg in den Familienbetrieb erschweren, da Motivation, Fach- und Führungskompetenz für die gestellten An- und Herausforderungen fehlen.
- Steuern, formale Hürden und Bürokratie
Formale Hürden und wichtige Fragen zu steuerrechtlichen Themen wie zum Beispiel Gesellschafts- und Erbrecht erfordern eine zeitintensive und komplexe Gestaltung. Die zeitlichen und finanziellen Ressourcen dafür sind oft im Tagesgeschäft gebunden, was die notwendige Planung verzögert oder gar komplett stoppt.
- Emotionalität, Konflikte und Kommunikation
Eine Übergabe innerhalb der Familie ist häufig emotionell aufgeladen. Für viele Unternehmer ist es das Lebenswerk, das weitergegeben werden soll. Demnach ist dieser Übergabeprozess oft mit Emotionen und Standpunkten verbunden, die man nicht unterschätzen und außer Acht lassen sollte. Hinzu kommt, dass familiäre Konflikte den Nachfolgeprozess behindern können. Trotzdem müssen auf der anderen Seite auch rationale Entscheidungen getroffen werden, die dem Fortbestand des Unternehmens dienen und Arbeitsplätze sichern.
Erfolgsfaktoren und To-Dos
- Strategische Planung: 5-7 Jahre vor Übergabe
- Klare Strukturen: Mentoring, Coaching, klare Leistungsprofile, Definierung und Festlegung von (Fach-) Kompetenzbereichen
- Transparente Kommunikation: Alle Familienmitglieder frühzeitig und umfangreich in die Planungen mit einbinden, ggf. mit einem Moderator
- Exit-Strategien prüfen: Familieninterne Übergabe, Verkauf an Dritte, Management-Buy-out
- Rechtlicher Rahmen: Übergabeformen (Asset-Deal, Share-Deal, Schenkung, vorweggenommenes Erbe) und gesellschaftsrechtliche (Neu-) Strukturierung prüfen
- Beratung in Anspruch nehmen: Steuerberater, Rechtsanwälte, Unternehmensberatung
Fazit
Der demografische Strukturwandel erhöht den Nachfolgedruck enorm. Tausende KMUs stehen jährlich vor teils riskanten Entscheidungen und Übergaben. Es gilt, frühzeitig systematisch und transparent zu planen und die unterschiedlichen Perspektiven der Generationen zu entdecken, voneinander zu lernen und gemeinsam daraus tragfähige Lösungen für die Zukunft zu entwickeln. Wer es schafft die richtigen Antworten auf die Fragen nach dem „Warum?“ und dem „Wie?“ zu geben und mit einer klaren Vision vorausschauend agiert, braucht sich vor der Nachfolgeregelung nicht zu fürchten.
Stehen Sie mit Ihrem Unternehmen vor einer Übergabe?
Wir können Sie bei diesem Prozess begleiten und stehen Ihnen gerne mit unserer Erfahrung bei allen damit verbundenen Vorgängen zur Verfügung.
